Ein Buch über das Leben auf der Gasse mit Hund und Katze

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ZollikofenMit einer weissen Katze auf der Schulter und einem fuchsfarbenen Hund neben sich läuft Slavcho Slavov durch die Berner Gassen. Die drei wohnen in Zollikofen, zuvor waren sie auf den Strassen Europas unterwegs.
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Slavcho Slavov mit seinen Lebensgefährten, dem Hund Lourd und dem Kater Matz. Bild: Stefan Anderegg

Heute Samstag wird sich Slavcho Slavov mit seinem Hund Lourd und seinem Kater Matz auf den Weg zum Bahnhof Bern machen. Unter der Treppe beim Café Spettacolo wird er sein Buch «Meine Odyssee mit Lourd und Matz» vor­stellen. Der 46-Jährige aus Zollikofen ist oft im Berner Bahnhof und auch in den Gassen unterwegs. Sie sind Teil seines Lebens.

Durch ganz Europa

Ursprünglich stammt Slavov aus Bulgarien. Dort arbeitete er zuerst als Handwerker. Doch bei einem Autounfall verlor er mit 27 Jahren seinen linken Unterarm, was ihn vor eine neue Situation stellte. «Es war schwer, als Invalider Arbeit zu finden», erzählt er. Deswegen verliess er Bulgarien und verdiente fortan sein Geld auf den Strassen Europas. Wenn er keine Bleibe mehr fand oder die Touristensaison vorbei war, zog er weiter.
Er bereiste Spanien, Italien, Schweden, Deutschland und zahlreiche andere Länder. Durch die Arbeit und den Kontakt zu den Menschen lernte er viele Sprachen, «manchmal bastle ich Sätze aus italienischen, deutschen und französischen Wörtern. Aber mit der Grammatik tue ich mich schwer.»

Kater Matz und Hund Lourd sind immer mit dabei. «Ich kann meine Gefährten höchstens zwei Stunden allein lassen», erzählt Slavov. Besonders bewusst wurde ihm das in Cannes. Die Polizei nahm ihn nach einer Messerat­tacke mit auf den Posten – ohne seine Tiere. Da er aber nichts mit dem Vorfall zu tun hatte, konnte er bald wieder gehen. Aus dieser Erfahrung ist ihm klar geworden: «Solange wir drei zusammen sind, ist alles gut. »

20 Schweizer Franken
Eher zufällig reiste Slavov einmal mit dem Zug nach Bern. Als er am ersten Tag auf der Treppe der Heiliggeistkirche sass, schenkte ihm eine Frau 20 Franken. «Dieser erste Eindruck ging mir nicht mehr aus dem Kopf», sagt Slavov. So kam er vor fünf Jahren wieder und blieb definitiv. «In Bern können ein einfacher Mann und ein Millionär zusammen einen Kaffee trinken gehen», sagt Slavov. Er fühle sich wohl.

Mittlerweile hat er über einen Freund sogar eine feste Bleibe gefunden. Die 2½-Zimmer-Wohnung in Zollikofen verdankt er einem besonderen Umstand. Bei der Besichtigung merkte er nämlich, dass er den Vermieter schon kannte. So kam der Mietvertrag problemlos zustande.
Trotzdem geht Slavov nach wie vor zwei- bis dreimal pro Woche mit Matz und Lourd auf die Gasse. Leute streicheln die Tiere und geben ihm Geld, beispielsweise für Futter. Ein bemalter Holzkasten, der wie eine Drehorgel aussieht, zeigt zudem Slavovs Fertigkeiten.

«Zuerst wollte ich auf einem eingebauten MP3-Player Musik abspielen», erzählt Slavov. Elektronisch gespielte Musik sei aber in den Berner Gassen ver­boten. Dafür kann er regelmässig Bilder verkaufen, die er zu Hause malt. Aus diesem Verdienst zahlt er seine Miete, Sozialhilfe bekommt und will er nicht.

Wann und wie lang das Trio draussen unterwegs ist, entscheidet der Kater Matz. Er sei der Chef, sagt Slavov. «Es gab schon Passanten, die mich für einen Tierquäler hielten, weil Matz auffällig ruhig ist. Einmal rief einer sogar die Polizei, weil er dachte, ich gäbe ihm Beruhigungsmittel oder Drogen.» Bei der Untersuchung stellten die Tierärzte aber nichts Aussergewöhnliches fest. Matz war gesund.
Sie sind seine Familie

Nur ich kann mich mit Lourd und Matz verständigen», so Slavov. Lourd ist nach der französischen Stadt Lourdes benannt, wo er den Welpen geschenkt bekam. Matz befreite er aus einem eingestürzten Haus. Mit «Matzmatz» lockt man in Bulgarien Katzen an. Es ist mit dem berndeutschen Ausdruck «Busbus» zu vergleichen.

Nach Bulgarien zurück will Slavov jedoch nicht. Für ihn spiele es keine Rolle, wo er geboren sei. In der Schweiz ist er mit seiner Familie, mit Lourd und Matz, rundum glücklich.

Heute Samstag findet die Buchpräsentation von 1o bis 12 Uhr beim Café Spettacolo im Bahnhof Bern statt.

die Veröffentlichung

Eine Antwort zu “Ein Buch über das Leben auf der Gasse mit Hund und Katze”

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